Das große Heft“

„(…) bewahrt Corbetts Version sowohl in der Dramaturgie wie in der Musik streng den Geist der Vorlage. Auch Corbett stellt die Figuren – allein schon dadurch, dass die beiden namenlosen Zwilinge immer mit gleichsam einer Stimme singen – geradezu holzschnittartig auf die Szene und zeigt die Brutalität unbeschönigt, ohne in Realismus umzuschlagen. Nicht die Figuren, die Zuschauer sollen sehend werden. Diesem unpathetischen Gestus, der an Brechts Theater oder an Kafkas Parabeln erinnert, ordnet sich auch die Musik unter. Die Stimmen sind in der Regel sprachnah und textverständlich geführt, das mit einer Vielzahl von Perkussionsinstrumenten aufgeraute Orchester arbeitet mit Klangflächen. Bewegung und Dramatik entsteht durch eine ausgefeilte Rhythmik, die die scheinbare Statik immer wieder aufbricht. (…) Alles in allem: ein großartiger Abend des Musiktheaters Osnabrück, der das tief bewegte Premierenpublikum in Bann schlug.“
Opernwelt, Uwe Schweikert, Mai 2013

„Corbetts Musik zu ‚Das große Heft‘ beschreibt nicht nur äußere Aktionen und Verhaltensweisen. Sie dringt tief in die Szene und Figuren ein. Das vielfältig agierende Orchester entfaltet eine differenziert Klangsprache, mit feinen instrumentalen Farben und sensiblen Stufungen. Rhythmische Charakterisierungen beschreiben genau einige der Personen, etwa den ‚fremden Offizier‘. Der Text wird oft sensibel mit dem Orchester durchleuchtet. Vor allem aber zeichnet sich Corbetts Komponieren durch den wunderbar entspannten Umgang mit dem Gesanglichen aus – kein schmetterndes Arioso, vielmehr die subtile Führung der Linien, eine zarte Expressivität. Das wirkt natürlich vor allem im Kontrast zur litarischen Vorlage. Doch stellt die Musik diese auch nicht auf den Kopf: Sie vermenschlicht vielmehr die Figuren und deren Leidensdruck wird dadurch nur noch schmerzlicher erfahrbar.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Gerhard Rohde, 26.3.2013

„Nach dem letzten Ton herrscht – Stille. Erst nach einigen Momenten entlädt sich die Spannung im Osnabrücker Thater am Domhof, feiert das Publikum minutenlang die tief bewegende Uraufführung der Oper Das große Heft von Sidney Corbett. (…) entfaltet dieses Stück eine Intensität, der man nicht entrinnen kann. Damit wird Das große Heft zur stimmigsten Opernuraufführung, die das Haus seit Langem erlebt hat.“>
Die Neue Osnabrücker Zeitung, Ralf Döring, 17.3.2013

Der ganze Artikel mit Fotostrecke unter
noz.de/deutschland-und-welt/kultur/70197271/sidney-corbetts-oper-das-groe-heft-am-theater-osnabrueck

„(…) Das kühne Konstrukt von Kristófs Erstlingsroman ‚Das große Heft‘ wurde von Corbett mit einer Musik bedacht, die mit leisen Intensitäten einen Korrelat zum Text schafft (…) Sidney Corbett ist im Zusammenwirken mit seinem Librettisten, dem Osnabrücker Intendanten Ralf Waldschmidt, so etwas wie ein modernes ‚Lehrstück‘ gelungen (…)“
Neue Musikzeitung (nmz.de/online), Frieder Reininghaus, 17.3.2013

„Seine Musik kennt Stimmungen und Seelenregungen; aber ihre kristallklar strukturierten Klangflächen konstatieren alles mit kühler Wahrhaftigkeit. Der Orchestersatz ist hochtransparent, dabei rhythmisch vielschichtig und facettenreich; ein Akkordeon, zarte Streicherflächen, aparte Bläsermischungen fangen das ländliche Abseits ein, in dem die Handlung spielt; eine farbenreiche Schlagwerkbatterie (Eisenketten und Ölfässer inklusive) setzt konzise Akzente. Damit entspricht die Musik der atmosphäre des Romans, findet ihm gegenüber aber eine eigene Form. Sie ist nicht narrativ, sondern situativ. Es gibt zwar Leitmotive, die die Handlung akzentuieren, und Fraben, die den Personen zugeordnet sind. Aber das Zuständliche steht im Vordergrund.“(…)“Die Musik ist so stark (…) Gerade auch die beiden Sopranpartien der Zwillinge, die subtil mit dem Orchestersatz verzahnt sind, entfalten da ein ganz eigenes, fesselndes Melos.“

die-deutsche-buehne.de, Detlef Brandenburg, 18.3.2013

„musikalisch faszinierende Oper“(…) „diese Inszenierung ist in jedem Falle einen Besuch wert.“

opernnetz.de, Heike Eickhoff, 18.3.2013

 

Pressespiegel zu „Keine Stille außer der des Windes“

Die Musik Sidney Corbetts, von dem bereits das Bremer Auftragswerk Noach am Goetheplatz uraufgeführt worden ist, will das Geschehen nicht etwa beschreiben, wohl aber sinndeutend verdichten. In einer kammermusikalischen Sinfonie (Streichquartett, je zwei Holz- und Blechbläser mit variablem Instrumentarium , Klavier und ein sehr feinsinnig genutztes Schlagwerk) entwickeln sich neben schönen auch mannigfach denaturierte Einzeltöne und farbige, mehr lyrische denn dramatische Klangkompositionen zu einem filigran-zarten, immer sehr transparenten Geflecht, das in seiner Klangpoesie wie in seiner unaufgesetzt pointierenden Kraft den dichterischen Charakter des Pessoa-Werkes durchaus entsprechen mag.

Christian Günther, viel erfahren in zeitgenössischer Musik, führte die ebenso beflissenen wie sensibel musizierenden Bremer Philharmoniker und die Agierenden, deren Stimmen vorwiegend instrumental geführt sind, kompetent und zielsicher durch die 80-Minuten-Oper, die mit einem geradezu ergreifenden Requiem-Schluss verebbt. In einer von der Regie trefflich geformten Endzeitstimmung voll der Trauer und der bitteren Erkenntnis: Das Ich ein Nichts, gefangen im Malstrom der Zeiten, wahrlich ein winziges Nichts, verloren in dem sich unendlich weitenden Raum.
Erstaunlich, wie sich die Mitwirkenden trotz aller Schwierigkeiten das singende Sprechen angeeignet haben. Jörn Schümann, der Schreiber hat die Hauptlast zu bewältigen, wenn er aus dem Buch der Unruhe zitiert.Sein sonorer Bass und seine von Melancholie wie von Vergeblichkeit umwehte Haltung gaben der Zentralgestalt das ihr zustehende Gewicht. Benjamin Bruns, ein mit Tenorlyrik fesselnder Beobachter, beharrt bewusst in einer höflich-feinen Nichtpersonalität; Sybille Specht, stimmlich potent wie stets, macht aus dem stotternden Reisenden, der immer den Ausbruch wünscht und nie wagen kann, einen ganz und gar in seinen Obsessionen versponnenen Menschen; Nadine Lehner zeichnet mit beweglich ausstrahlendem Sopran und im grotesken, sowohl naiven wie leicht ordinären Spiel die Braut als Projektion der Männerlust.

Gleichwohl: Das ist keine Produktion der Wohlgefälligkeit, vielmehr muss man auch die Gehirnzellen in Gang setzen. Das taten offensichtlich die Premierenbesucher, wie der Beifall erkennen ließ.
Simon Neubauer, Weser Kurier

Aus dem gackernden Hacken einer alten Reiseschreibmaschine entwickelt sich zu einer polyphonen Musik ein poetischer Theaterabend.
Carl Friedrich Oberle stattete Eva Gilhofer und Matthias Koch aufs Anschaulichste aus: Ihre jeweils halbierten Kostüme ergeben zusammen jene eines Hochzeitspaares – und dabei wird gesungen, dass jeder der beiden sich selbst genügt.
Christian Günther sorgt umsichtig für eine klar strukturierte Umsetzung der Partitur.
Fernando Pessoas Poesie der Einsamkeit zeitigte eine windige Musik, zugig und ungemütlich. Mithin dem surrealistischen Sujet und den wundersamen Texten angemessen, wie auch bestens geeignet für ein Theater der ruhigen Gesten, aus dem sich Jörn Schümanns distinguierte Buch-Stimme ebenso hervorhebt wie der kräftige Beobachter-Tenor Benjamin Bruns und die schönen Sopranstimmen von Nadine Lehner als Braut. Ihr Zusammen- und Wechselspiel, das beziehungslose Nebeneinander der vertrackt schwer zu singenden Partien, bringt einen Theaterabend der stillen Faszination zu Wege.
Intendant Klaus Pierwoß hat in einem guten Dutzend Jahren in Bremen auch für eine Reihe bemerkenswerter Uraufführungen gesorgt. Nun, zum Ende der langen Amtszeit, ein zweites Werk von Sidney Corbett, von dem das Bremer Theater bereits 2001 Noach präsentierte.
Frieder Reininghaus, taz

Der Komponist Sidney Corbett macht die komplexen Innenwelten durch Gesang, Sprechgesang und reines Sprechen erfundener Figuren hörbar. Deren Soli, Duette oder Ensemble sind im Sinne Pessoas in sich selbst verschlossene, monologisch, ja autistisch. Ihre Stimmen verweben sich mit denen des unter der Leitung Christian Günthers vorzüglich spielenden Kammerorchesters. Dabei gelingen dem Komponisten trotz asketisch linearer Strukturen, auch deutlicher Längen, sinnliche Stimmungsbilder. Nicht zuletzt Dank der hervorragenden Sänger, die in Carl Friedrich Oberles kafkaesk anmutendem Bühnenbild von Rosamund Gilmore kryptisch und bruchstückhaft – auch mit Hinweisen auf klassisches Ballett – geführt werden. Großer Beifall war der Lohn für ein schwieriges, aber hörenswertes Werk.
Monika Nellisen, Die Welt

Skizzenhaft blendet die Inszenierung die Charakteristika der verschiedenen Facetten von Pessoas Empfindungsflaneur auf und fällt dabei in die Vielstimmigkeit der Musik ein, die mit Arien, Duetten und Ensembles zwar traditionelle Formen aufgreift, den einzelnen Stimmen aber neutönend ihre eigene Entwicklung und ihren eigenen Puls lässt.
Rainer Beßling, Kreizeitung

…absurd-surreale Bilder von kafkaesken Dimensionen, die die Sinne packen und zum Grübeln anregen, die diesen musikalisch durchaus schwierigen Abend zu einem Theater-Erlebnis voller Poesie und Geheimnis machen.
(…)
Hervorragend Jörn Schümann als Schreiber, und mit wunderbarem lyrischem Sopran Nadine Lehner als Braut, ausdrucksstark Tenor Benjamin Bruns als Beobachter, fein aufeinander abgestimmt die beiden Alt-Stimmen als Zwitter, Eva Gilhofer und Countertenor Matthias Koch. Die Bremer Philharmoniker und ihr Dirigent Christian Günther realisierten die schwierige Partitur souverän und mit subtilem Klangsinn: Respekt.
Elisabeth Richter, Deutschlandfunk

Am Mittwoch feierte das poetische wie anspruchsvolle Musiktheaterstück seine gelungene Uraufführung im Concordia.
(…)
In einem wunderschönen Bühnenbild von Carl Friedrich Oberle werden Menschen gezeigt, die ihre Gedanken und Ideen ausdrücken.
(…)
Die Bremer Philharmoniker liefern kurze, filigrane Töne, die zu einem vielschichtigen Klangteppich verschmelzen.
(…)
Steffi Urban, Bremer Anzeiger

Eine geschlossene siebzehnstimmige Sinfonie, die sowohl Stille im Selbstgespräch glaubwürdig zu transportieren versteht, als auch mit jazzoider Anspielungsmusik in den beiden gestopften Blechbläsern die Stille fast heiter begleiten kann, als auch im zerklüfteten Klaviersolo transzendente Klangräume zu gewinnen vermag und auch immer wieder etliche miniatürliche Motivfragmente, verschütte Glückserfahrungen, aus den hohen Streichern hervorholt. Hervorholt, und das ist der wahre Verdienst Corbetts.
(…)
So in den sanft und langsam gezogenen Streicherfiguren, die jene pathoslose Traurigkeit Pessoas auf vollkommen einzigartige Weise hörbar werden lässt: Traurigkeit von einer dissonanten, ziehend-stechenden Beständigkeit, mit ständigen Abstürzen.

Gilmore entwirft immer wieder aus dem Alltag entlehnte Choreografien, die dann in Standbildern des Ich-Zerfalls kulminieren. Das kommuniziert von innen her mit der Reflexionsrichtung Pessoas.

Der opernkonservative, syllabische Gesang wird vorzüglich von dem Tenor Benjamin Bruns (Beobachter), dem Mezzo Sybille Spechts (Reisender), dem lyrischen Sopran Nadine Lehners, gut von dem Alt Eva Gilhofers und dem Countertenor Matthias Kochs (zusammen: Zwitter) ausgestaltet. Einen akzentuierten Hilfsbuchhalter spricht, mal lustig, mal bedächtig, mal ernst, Christoph Hohmann. Durch den Abend führt das besonnene Dirigat des Kapellmeisters Christian Günther.
Wolfgang Hoops, Kultura-Extra

 

Peter Uehling
anlässlich eines Kammermusikkonzerts im Konzerthaus Berlin, Mai 2011

Aus Kompliziertem wächst Anmut

So vernarrt sind wir in den Kanon schöner Musik von der Renaissance bis Richard Strauss, dass wir zu denken versucht sind, Musik sei an sich etwas Schönes. Dabei stellte der Musiktheoretiker Johannes Tinctoris 1472, nach zwei Jahrhunderten Mehrstimmigkeit fest, es gäbe erst seit kurzem Musik, die man sich wirklich anhören könne. Und vielleicht wird das Wort des Komponisten Claus-Steffen Mahnkopf aus dem Jahr 1998 ebenso berühmt, demnach es nicht mehr sinnvoll sei, „schöne Musik zu schreiben, einfach deswegen, weil wir sie haben“. Das Wort „haben“ irritiert. Das Schöne „hat“ man ja nicht, man erlebt es. Jedoch gewiss nicht als „Verweigerung von Gewohnheit“, wie es der Komponist Helmut Lachenmann als Parole ausgegeben hat, sondern als Annäherung an ein Ideal, das keiner kennt, weil es sich verrätselt: Dann wird es Kitsch und will anderswo gesucht werden. Vielleicht schreibt zur Zeit kein Komponist schönere Musik als der 1960 in Chicago geborene und heute in Berlin lebende Sidney Corbett. Am Dienstag spielte das Modern art Ensemble im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses zwei Werke, deren Wohlklang bestrickte und zum Zuhören zwang. Hinter den Zusammenklängen hört man tonale Intervallstellungen, aber keinen Bezugston, als ranke die Tonalität über sich selbst hinaus, als überwucherten die potenzierten Konsonanzen ihre harmonischen Grundlagen. Über die Schönheit von Corbetts Musik muss sich der Hörer nicht Rechenschaft ablegen. Es versetzt ihn unmittelbar in einen sinnlichen Wachtraum. In diesem geht es ums Ganze, also auch um das Dunkle, das wird durch das Schöne nicht beschönigt. Man muss dazu nicht wissen, dass sich Corbett etwa für „The Longings“ (2004) von Edmond Jabès“ „Buch der Fragen“ anregen ließ. Auch ohne das bemerkt man, wie sich hier die Zeitverhältnisse verschieben, wenn die anfängliche Gegenüberstellung von Streicher- und Harfenakkorden in Bewegung gerät, der Harfenpart in immer breitere Akkordbrechungen zerfällt, während sich aus den anfangs blockhaft behandelten Streichern dezent schwingende Melodien herauslösen: So wird eine Ordnung in eine andere überführt, und das hat vollends mit dem Formdenken tonaler Musik nichts mehr gemein. Dass man beim Verfolgen dieses Prozesses den Flötenpart nicht mehr wahrnehmen kann, beweist die Komplexität dieser Musik, die man mehrfach mit Gewinn hören kann und auch hören will. Das kann man nicht über alle Werke des Abends sagen. Die schlichten Bausteine von Charlotte Seithers „Far from distance“ für Klarinette, Cello und Klavier werden durch den kompositorischen Prozess kaum interessanter. Helmut Zapfs „Albedo VIII“ für Flöte, Cello und Klavier arbeitet sich mit kurzen, kontrastierenden Gesten durch den gängigen Klangverfremdungskatalog. Am Ende vermischt sich die Buntheit zu einem stilistischen Grau. Corbetts Farbigkeit ist dagegen das paradoxe Ergebnis einer reduzierten Farbpalette: Bei ihm klingen die Instrumente durchweg so, wie man sie kennt. Indem Corbett die Formen des Artikulierens reduziert, tritt das Artikulierte selbst um so plastischer in Erscheinung. „Die Gesänge der Unruhe“ (2003), der Titel ist angelehnt an Fernando Pessoas „Buch der Unruhe“, ist zum einen ein fast erzählerisches Stück, dass mit zitternden Streicherklängen nervös und zerfasert beginnt und sich am Ende in den dumpfen Klängen von Bassflöte und Bassklarinette zusammenklumpt. Aber die erzählerische Geradlinigkeit ist natürlich mit den Rückbezügen einer differenzierten Form balanciert und ins Schweben gebracht. Dass man das so trennscharf wahrnehmen kann, ist nicht zuletzt das Verdienst der wunderbaren Musiker des Modern art Ensembles: Hier wird aus jeder Figur eine expressiv genau gefasste Geste, das Zusammenspiel ist analytisch souverän koordiniert, schwierigste Musik erwacht zu anmutigem Leben.

Berliner Zeitung, 05. Mai 2011

 

Arlo McKinnon

A sigh. A look of anger.
The electricity of nonverbal communication.
The magnificence of great architecture.
The feeling of hopefulness
amid circumstances of despair.
A glorious linear equation.
Death. Sobs and howls
echoing down a dark corridor.
The power of silence. Precision.
A newly-discovered sonority.
The search for love and meaning.

These are but a few of the impulses I find expressed in the music of Sidney Corbett. Nervous, assertive, rigorous, challenging, emotional music that reflects the man. Structurally complex, his music is technically polished yet neither pedantic nor obsessed with abstraction. Lyrically searching, it does not pander or strive for accessibility. It is music that states „I am“.

Sidney’s music does honor to ist influences without mimicking them. Among these influences are his experiences as a rock and jazz guitarist and the impact of his formal study with Bernard Rands, Martin Bresnick, Jacob Druckman and Gyögy Ligeti: His extra-musical influences include his passion for baseball and football, his quest for spirituality, and a great love for discourse and debate.

We live in a time of moral relativity and crass commercialism. In the „Age of Marketing“ we desperately need people like Sidney Corbett – artists and thinkers who take chances to express their vision of truth, whether this vision is praised, scorned or ignored.

Do you dare to listen?

Brooklyn, 1998

 

Norbert Klein

Corbetts in den letzten Jahren geschriebene Musik ist vor allem von linearem melodischem Denken geprägt. Nach intensiver Auseinandersetzung mit ambrosianischen Gesängen und anderer alter einstimmiger Musik sind seine heutigen Kompositionen auch die reinen Instrumentalwerke vorwiegend vokal-melodisch ausgerichtet.

Die Musik, die Sidney Corbett schreibt, ist eher introvertiert und leise. Der Komponist sucht eine Schönheit des Klanges jenseits aller süßlichen Anbiederung. Für ihn gilt auch die Devise von Toru Takemitsu (dem keiner den Vorwurf machen wird, angepasste, bequeme nur wohlklingende Musik zu schreiben), Musik müsse wie ein Gebet sein.

Virtuos ist bei Corbett der feine Umgang mit Klang. Große Gesten, alles Plakative, eine aufgesetzte Dramatik ist ihm fremd. Corbetts Musik gewinnt ihre Spannung aus dem Innenleben der Töne. In melodischer, rhythmischer und harmonischer Hinsicht begibt sich Corbett auf eine ständige Gratwanderung zwischen allzu eindeutigen Formulierungen und bewusstem Vermeidungsstil. Das gibt seiner Musik einen schwebenden Charakter. Tonale Mehrdeutigkeit vermeidet jede definitive harmonische Festlegung. Ähnlich verhält es sich durch die Verwischung der Taktschwerpunkte mit dem Metrum.

Bremen, 2001

 

Weitere Pressestimmen

Seine Musik ist auf seltsame Weise asketisch und sinnlich, verbindet konstruktive Triftigkeit mit atmosphärischem Zauber. Die subtil mit mehrdeutiger Harmonik unterfütterten Melodien vermitteln stets den Eindruck, so und nicht anders verlaufen zu müssen.
FAZ

„Cactus Flower“, ein Stück von bizarrer Schönheit, losgelöst von Takt und Tonalität.
Stuttgarter Nachrichten

Zum überraschenden Höhepunkt des Abends geriet … Corbetts Sinfonie Nr. 1. „Tympan“ ist Orchestermusik, die in Kenntnis des Klangkörpers und mit Respekt ihm gegenüber geschrieben wurde, die aber angestammte sinfonische Gesten subtil verfärbt, fremdartig einkleidet. Ein weiträumiges Melos … von ruhigem Atem getragen, zieht sich durch allerlei klangliche Fährnisse hindurch …
Stuttgarter Zeitung

Corbetts Werk durchzieht ein Charakter der Klangschönheit, der Linearität, des Introvertierten und ist angenehm zu verfolgen und nachzuvollziehen. Die Zuhörer spendeten minutenlangen Beifall.
Westdeutsche Zeitung

… und noch ein paar Texte über Sidney Corbett

„Der Komponist Sidney Corbett“ von Manfred Stahnke.
Programmheft zur UA von „Die Stimmen der Wände“, Ensemblia Festival Mönchengladbach, 1993

„Hören auf die innere Stimme; der Komponist Sidney Corbett“ von Werner M. Grimmel.
Neue Zeitschrift für Musik, Schiott Verlag, Mainz, Januar 1998

„500 Jahre Bentlager Schädelschrein – Tür zu einer anderen Welt“ von Niels Giebelhausen.
Festschrift zur Bentlager Schädelschrein, Rheine, 1999.

„Some Thoughts Concerning Sidney Corbett’s Arien IV: Solo Music for Guitar“ von Seth Josel.
Soundboard Magazine, Sommer 2000, Claremont, California, USA

„Sidney Corbett“ von Barbara Busch.
Eintrag in Personenteil der neuen Musik in Geschichte und Gegenwart, Bärenreiter Verlag, Kassel

„Gesänge der Unruhe. Der amerikanische Komponist Sidney Corbett und sein Hang zu literarischen Sujets. Ein Arbeitsbesuch“ von Martin Wilkening.
Berliner Philharmoniker, Das Magazin, März/April 2004